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Sustainable Impact Award

„Es geht um Überzeugung, nicht bloß um Pflichterfüllung“

Zwischen wachsendem Gegenwind und strengen EU-Vorgaben: Wie gelingt glaubwürdiger Einsatz für Nachhaltigkeit? Einschätzungen geben Franziska Eder (Generali Deutschland AG) und Prof. Julia Hartmann (EBS).

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Franziska Eder (links) ist Head of Sustainability und Menschenrechtsbeauftragte der Generali Deutschland AG. Sie verantwortet die ESG-Aktivitäten des Konzerns. Julia Hartmann ist Professorin für Management und Nachhaltigkeit an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht. Sie berät Unternehmen zu Themen wie ESG-Leadership und Transformation. Foto: Generali / EBS Universität

Während Initiativen im Bereich Umwelt, Soziales und Governance (engl. Environment, Social, Governance; ESG) global zunehmend in die Defensive geraten, bleibt die Europäische Union im Grundsatz beim eingeschlagenen Kurs. Zwar prüft die Kommission inzwischen einzelne Entlastungen und Verschiebungen im Rahmen der EU-Richtlinien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) und Lieferketten (LkSG), doch der Druck auf Unternehmen bleibt hoch.

In diesem Spannungsfeld stellt sich die Frage: Wie positionieren sich Unternehmen? Welche Nachhaltigkeitsstrategien versprechen heute noch wirtschaftlichen Erfolg – und wie lassen sie sich intern wie extern glaubwürdig kommunizieren? Und vor allem: Ist Nachhaltigkeit heute noch ein Wettbewerbsfaktor oder eher ein Reputationsrisiko?

Anlässlich der diesjährigen Verleihung des Sustainable Impact Awards (SIA) teilen Franziska Eder, Head of Sustainability und Menschenrechtsbeauftragte der Generali Deutschland AG, und Julia Hartmann, Professorin für Management und Nachhaltigkeit, im Interview ihre Einschätzungen und Erfahrungen. Beide sind auch Teil der SIA-Jury.

Nachhaltigkeit ist ein Thema, das viele bewegt, aber längst nicht mehr überall nur positiv besetzt ist. Vor dem Hintergrund der diesjährigen Verleihung des Sustainable Impact Awards: Welche Veränderungen beobachten Sie in der öffentlichen und unternehmerischen Auseinandersetzung mit dem Thema?

Franziska Eder: Wir stellen fest, dass Nachhaltigkeit in den Schlagzeilen zunehmend ambivalent diskutiert wird. Bei Generali positionieren wir uns dennoch klar dazu: Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Baustein unserer Unternehmensstrategie. Beim LkSG haben wir zum Beispiel stabile Prozesse etabliert. In ESG-Initiativen sehen wir eine Chance, unsere Strategie konsequent voranzutreiben.

Julia Hartmann: Ich beobachte derzeit eine große Spannbreite im unternehmerischen Umgang mit Nachhaltigkeit. Einige Unternehmen – etwa in Branchen, die unmittelbar von Klimarisiken betroffen sind – treiben ihre Aktivitäten konsequent voran, weil sie die Auswirkungen bereits heute direkt spüren. Andere Unternehmen sehen sich aktuell jedoch stark durch gesamtwirtschaftliche Herausforderungen wie Inflation, schwächelnde Exportmärkte oder eine sinkende Nachfrage gebunden. Dort verschiebt sich der Fokus kurzfristig stärker auf akute wirtschaftliche Fragen, und Nachhaltigkeitsthemen verlieren an Priorität, was langfristig allerdings problematisch ist, weil sich ökologische Probleme nicht aufschieben lassen und Unternehmen sie in Zukunft umso deutlicher spüren werden.

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Bedeutet nachhaltiges Handeln für Unternehmen in Europa noch einen echten Wettbewerbsvorteil? Oder ist es eher regulatorisch motiviert, und man macht es, weil man muss?

Hartmann: Unsere ökologischen Probleme sind gekommen, um zu bleiben. Europa ist stark von Importen abhängig – sei es bei seltenen Erden, Öl oder Gas – und gleichzeitig massiv von den Folgen des Klimawandels betroffen, etwa durch Dürren oder Brände. Nachhaltigkeit kann hier zur Lösung beitragen: Zirkularität reduziert Abhängigkeiten von Rohstoffen, erneuerbare Energien verringern die Abhängigkeit von Energieimporten, und eine bessere Nutzung europäischer Stärken macht uns widerstandsfähiger gegen Klimafolgen. Das eigentliche Problem liegt weniger bei den Unternehmen als bei der Politik: Partikularinteressen und ein ständiges Hin und Her verhindern verlässliche Rahmenbedingungen. Für Unternehmen wird es dadurch extrem schwierig, langfristige Strategien zu entwickeln und durchzuhalten.

Eder: Wir sehen in nachhaltigem Handeln ganz klar einen Wettbewerbsvorteil. Regulierung, wie beispielsweise das Reporting nach CSRD, hilft uns zu erkennen, wo noch Verbesserungspotenziale liegen – sei es bei Dienstreisen, Papierverbrauch oder CO₂-Emissionen. Als verantwortungsvoller Versicherer, Investor, Arbeitgeber und Corporate Citizen wollen wir dabei nicht nur selbst nachhaltiger werden, sondern auch unsere Kundinnen und Kunden sowie Partnerinnen und Partner zu nachhaltigem Verhalten motivieren. Es geht um Überzeugung, nicht bloß um Pflichterfüllung.

Mit Blick auf die Kapitalmärkte und Investoren: Werden ESG-Initiativen von Unternehmen hier als Performance-Treiber wahrgenommen oder eher als Risiko?

Hartmann: Hier sehe ich ein gemischtes Bild. Einige Kapitalgeber sind vorsichtig, weil sich der politische Wind mancherorts gedreht hat. Andere investieren bewusst in nachhaltige Innovationen, weil sie darin die Zukunftsmärkte sehen – unabhängig davon, welche Schlagzeilen gerade dominieren.

Eder: Für uns in der Generali sind ESG-Kriterien längst Teil der Kapitalanlagestrategie. Wir screenen Investments, achten auf Risiken und setzen verstärkt auf Climate Bonds und Infrastrukturprojekte. Zudem treten wir mit Unternehmen aktiv in den Dialog und üben Stimmrechte dahingehend aus, dass sie auch den Weg einer nachhaltigen und klimafreundlichen Unternehmensführung einschlagen und weiterentwickeln.

Nachhaltigkeit lebt von interner und externer Kommunikation. Wie setzen Unternehmen diese glaubwürdig um? Hat sich die Kommunikation in diesem Bereich in den letzten Jahren verändert?

Eder: Wir achten sehr stark auf Transparenz und Sensibilität. Intern legen wir zudem einen großen Fokus auf regelmäßigen Austausch. So haben wir beispielsweise ein Nachhaltigkeitsnetzwerk mit eigenem Teams-Kanal und regelmäßigen Beiträgen – von CO₂-Bilanzen von Flugreisen bis hin zu Tipps für nachhaltigen Urlaub oder Ernährung. Darüber hinaus bieten wir ein Botschafterprogramm an, bei dem sich engagierte Mitarbeitende neben ihren regulären Aufgaben für Nachhaltigkeitsthemen im Unternehmen einsetzen, um das Bewusstsein dafür zu stärken. Sie organisieren in diesem Jahr beispielsweise an einigen Generali-Standorten Nachhaltigkeitstage mit Informationsständen und Vorträgen, um das Thema noch erleb- und greifbarer zu machen. Zudem besucht das Vorstandsteam der Generali Deutschland zweimal im Jahr alle unsere Standorte, um sich mit den Mitarbeitenden zu wichtigen Unternehmensthemen auszutauschen und geht dabei auch regelmäßig auf unsere Nachhaltigkeitsstrategie ein. Nach außen kommunizieren wir unsere ESG-Aktivitäten und Ziele ebenfalls sehr bewusst und klar. So veröffentlichen wir regelmäßig entsprechende Informationen auf unserer Website, in Pressemitteilungen und LinkedIn-Beiträgen. Außerdem nehmen wir an externen Ratings teil. Die Ratingagentur Franke + Bornberg hat die Generali Deutschland AG bereits mehrfach mit dem ESG Award ausgezeichnet. Auch bei Veranstaltungen wie dem Zukunftstag des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) oder der Sustainable Insurance Convention der Versicherungsforen Leipzig positionieren wir uns in Podiumsdiskussionen oder Vorträgen.

Hartmann: Ich sehe, dass Unternehmen ihre Kommunikation heute stärker differenzieren. Richtung Mitarbeitende sowie Kundinnen und Kunden bleibt Nachhaltigkeit zentral. Richtung Politik oder Öffentlichkeit sind manche vorsichtiger geworden. Das bedeutet aber nicht, dass das Engagement sinkt – eher, dass die Unternehmen bewusster steuern, was nach außen geht.

Wie bewerten Sie den Trend zum sogenannten Greenhushing, also dem bewussten Schweigen über Nachhaltigkeitsziele, um öffentliche Kritik zu vermeiden?

Hartmann: Ich halte das für problematisch. Unternehmen müssen Nachhaltigkeit auch als wirtschaftliche Chance nutzen dürfen – nur so entstehen Investitionen in neue Technologien. Doch Innovationen sind komplex und oft nicht sofort perfekt. Das E-Auto zeigt das gut: Anfangs stand es wegen höherer Emissionen in der Produktion in der Kritik, erst später wurde klar, dass es im gesamten Lebenszyklus deutlich besser abschneidet als der Verbrenner. Der Imageschaden aber bleibt. Wenn wir Lösungen vorschnell als Greenwashing abtun, riskieren wir, beim schädlichen Status quo zu verharren, statt Fortschritte zu machen.

Eder: Uns ist wichtig, dass unsere Kundinnen und Kunden, Mitarbeitende, aber auch Bewerberinnern und Bewerber nachvollziehen können, was wir tun. Bewusste Kommunikation ja – Schweigen nein.

Lassen Sie uns nach vorne schauen: Welche Eckpunkte kennzeichnen heute eine glaubwürdige und resiliente ESG-Strategie und welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?

Hartmann: Das große Thema ist Impact-Messung. Unternehmen und Wissenschaft arbeiten daran, Wirkungen transparenter zu belegen, etwa ob ein Projekt tatsächlich Emissionen reduziert oder Menschenrechte stärkt. Wenn das gelingt, können Unternehmen wieder selbstbewusster kommunizieren und geraten weniger in den Verdacht, bloß Greenwashing zu betreiben.

Eder: Für uns ist eine ESG-Strategie glaubwürdig, wenn sie nicht isoliert neben den Unternehmenszielen steht, sondern in alle Bereiche integriert ist – in Produkte, Dienstleistungen und Personalarbeit. Bei der Generali ist Nachhaltigkeit ein wichtiger Bestandteil der Strategie und spiegelt sich so in allen Geschäftsbereichen wider. In den kommenden Jahren wird es entscheidend sein, diese Verzahnung konsequent weiter auszubauen.

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