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Auch die Generali in Deutschland setzt künstliche Intelligenz gezielt ein. Benedikt Kahmen, Head of Analytics, Data & AI bei der Generali Deutschland AG, erläutert Vorteile, konkrete Anwendungsfälle – und den verantwortungsvollen KI-Einsatz.

Benedikt Kahmen ist Head of Analytics, Data & AI bei der Generali Deutschland AG. | Foto: Generali
Herr Kahmen, welche Rolle spielt künstliche Intelligenz (KI) in der Generali in Deutschland in Bezug auf Nachhaltigkeit?
Die Technologie unterstützt uns dabei, unsere Ziele im Bereich ESG (Environmental, Social and Corporate Governance, deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) zu erreichen. Künstliche Intelligenz hilft uns beispielsweise, Klimarisiken präziser zu analysieren. Darüber hinaus hilft sie uns, nachhaltige Investitionen gezielter zu steuern und damit insgesamt den Übergang zu einem CO2-ärmeren Wirtschaften zu fördern.
Zugleich verbessern KI-gestützte Lösungen den Zugang zu Gesundheits- und Vorsorgeleistungen, etwa indem KI beispielsweise automatisch prüft, ob eingereichte Arztrechnungen und erforderliche Zusatzdokumente alle Informationen enthalten, die wir für die Bearbeitung brauchen. Damit ist KI ein zentraler Baustein unserer Lifetime-Partner-Strategie, mit der wir unsere Kundinnen und Kunden langfristig begleiten. Ein konzernweites Governance-Framework stellt dabei sicher, dass wir künstliche Intelligenz transparent, verantwortungsvoll und regelkonform einsetzen.
In welchen Geschäftsbereichen wird KI – mit Blick auf Nachhaltigkeit – bereits eingesetzt?
KI kommt heute in mehreren Kernbereichen unserer Versicherungstätigkeit zum Einsatz – insbesondere in der Risikoanalyse, der Tarifierung sowie im Schadenmanagement und Kundenservice. In der Risikoanalyse ermöglicht sie eine differenziertere Bewertung ökologischer Risiken. In Service- und Schadenprozessen verbessert sie das Kundenerlebnis und erleichtert den Zugang zu Leistungen. Insgesamt unterstützt uns KI dabei, Prämien dauerhaft risikoadäquat und damit fair zu gestalten.
Wie funktioniert die Bewertung von Klimarisiken und Naturgefahren in Deutschland mit Hilfe von KI konkret?
KI hilft, große Datenmengen – etwa aus Satellitenbildern oder internationalen Datensätzen – systematisch auszuwerten. Auf dieser Grundlage lassen sich Auftreten und Intensität von Naturgefahren genauer einschätzen. Unsere Tarifierung folgt dabei dem Grundsatz: gleiches Risiko, gleiche Prämie. Mithilfe erklärbarer KI-Modelle stellen wir sicher, dass diese Prinzipien transparent umgesetzt werden und es nicht zu Diskriminierungseffekten kommt.
Welche Rolle spielt KI im ESG-Investment- und Risikoanalyseprozess?
Die Technologie ist ein Instrument, um ESG-Kriterien in unsere Investmententscheidungen zu integrieren. Sie kann uns sowohl beim Screening von Unternehmen hinsichtlich der Einhaltung dieser Kriterien als auch bei der Analyse von CO2-Daten und bei der frühzeitigen Identifikation von Nachhaltigkeitsrisiken unterstützen. Der Einsatz von KI ermöglicht fundiertere Szenarioanalysen und stärkt die Umsetzung unserer Nachhaltigkeitsziele im Investmentbereich – und das über verschiedene Anlageklassen hinweg. Diese Ziele orientieren sich an denen unserer internationalen Generali Group.
Dazu zählt beispielsweise die Reduzierung des Carbon Footprint des Direktanlagenportfolios (börsennotierte Aktien, Unternehmensanleihen und Immobilien) um 60% bis zum Jahr 2030 im Vergleich zum Basisjahr 2019. Dieses Ziel erreichen wir unter anderem durch Investitionen in Unternehmen mit einem geringen Carbon Footprint. KI unterstützt uns dabei, solche Unternehmen zu identifizieren, indem wir umfangreichere, strukturierte und unstrukturierte Informationen über solche Unternehmen auswerten.
Wie stellen Sie sicher, dass KI-Anwendungen vertrauenswürdig sind?
Wir haben in der Generali in Deutschland ein zentrales Governance-Modell und einen klar definierten Rahmen für KI-gestützte Anwendungen etabliert. Transparenz und Fairness sind dabei verbindliche Anforderungen. Wir setzen auf erklärbare Modelle, kontinuierliche Qualitätskontrollen und das Prinzip „Human in the loop“ – die letzte Entscheidung liegt also stets bei einem Menschen. Automatisierte Einzelfallentscheidungen durch KI schließen wir bewusst aus.