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Kinder wachsen heute selbstverständlich mit Smartphones und Tablets auf – oft schon im Kleinkindalter. Doch wie digitale Medien genutzt werden, entscheidet zunehmend über Entwicklungschancen. Zwischen Überforderung, fehlender Orientierung und neuen Bildungsanforderungen entsteht eine stille Ungleichheit. Wir zeigen, warum digitale Gesundheit zur gesellschaftlichen sowie wirtschaftlichen Zukunftsfrage wird und welche Rolle Unternehmen wie die Generali Deutschland AG dabei spielen.

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Ein kurzer Blick ins Café, in den Zug oder ins Wartezimmer reicht: Kinder wischen über Displays, schauen Videos auf Social Media, spielen mit den verschiedensten Apps. Digitale Medien sind längst Teil des Alltags, auch bei den Jüngsten. Diese Normalität hat sich leise etabliert – ohne klare gesellschaftliche Leitplanken. Viele Eltern stehen vor Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt: Wie viel Bildschirmzeit ist für mein Kind sinnvoll? Wann wird die Nutzung problematisch? Wie sehr sollten Eltern als Vorbilder ihr eigenes Nutzungsverhalten hinterfragen?
Digitale Medien sind dabei für Kinder mehr als reine Unterhaltung. Sie sind Lernraum, Kommunikationsmittel und Beschäftigung zugleich. Ein Video auf Social Media ist so beispielsweise nicht nur Zeitvertreib, sondern prägt Wahrnehmung, Verhalten und Erwartungen. Gleichzeitig zeigt sich: Nicht alle Kinder wachsen unter denselben Bedingungen auf. Die Unterschiede liegen nicht mehr nur beim Zugang zu Geräten, sondern vor allem darin, wie sie genutzt werden. Und genau hier beginnt eine Entwicklung, die weit über den Familienalltag hinausreicht.
Digitale Fähigkeiten entscheiden heute zunehmend über Bildungserfolg und berufliche Perspektiven.1 Dabei geht es neben den technischen Fertigkeiten um Kompetenzen wie Konzentration, kritisches Denken und Selbstregulation. Die ständige Verfügbarkeit digitaler Reize machen Fokus und Ausdauer jedoch zunehmend schwerer. Insbesondere junge Menschen haben immer häufiger Probleme, sich über längere Zeit auf komplexe Aufgaben zu konzentrieren. Diese Entwicklungen zeigen sich in der Schule, in der Ausbildung und werden später auch von Unternehmen wahrgenommen.1
Der gesunde Umgang mit Medien wird damit zu einem wirtschaftlichen Faktor. Sie kann Produktivität, Innovationsfähigkeit und langfristig auch die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen beeinflussen. Die Grundlage dafür wird jedoch nicht erst im Berufsleben gelegt, sondern bereits in der frühen Kindheit.
An dieser Schnittstelle von früher Bildung, sozialer Teilhabe und wirtschaftlicher Zukunft setzt die Generali Group mit ihrer globalen Stiftung „The Human Safety Net“ (THSN) an. Diese ist in 25 Ländern aktiv und verfolgt ein klares Ziel: soziale Teilhabe fördern und menschliches Potenzial entfalten. Im Fokus stehen insbesondere Kinder aus benachteiligten Familien sowie deren Eltern.
Mit der Initiative #digitalgesund2026 richtet sich The Human Safety Net in Deutschland dabei gezielt an Eltern mit kleinen Kindern und setzt bewusst einen klaren Fokus: Nicht die reine Bildschirmzeit steht im Mittelpunkt, sondern die Qualität der Nutzung. Ziel ist es, Eltern zu befähigen, die Nutzung digitaler Medien bei ihren Kindern reflektiert zu begleiten. Dafür werden alltagstaugliche Lösungen vermittelt wie etwa die gemeinsame Nutzung, klare Regeln und ein besseres Verständnis für Chancen und Risiken digitaler Angebote. Ein zentraler Ansatz der Stiftung ist die Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen wie Elternleben.de sowie wissenschaftlichen Einrichtungen, um praxisnahe Angebote zu schaffen, die Familien insbesondere dort unterstützen, wo Orientierung fehlt.
Gerade in der frühen Kindheit, einer besonders sensiblen Entwicklungsphase, können sich übermäßige oder unbegleitete Nutzung negativ auswirken. Studien2 zeigen Zusammenhänge mit Schlafproblemen, verminderter Aufmerksamkeit und weniger sozialer Interaktion. Besonders kritisch ist passive Nutzung, also das reine Konsumieren von Inhalten. Die Familienpsychologin Dr. Martina Stotz von elternleben.de erklärt: „Passive Bildschirmzeit kann sich negativ auf die kognitive, emotionale und sprachliche Entwicklung auswirken – insbesondere dann, wenn sie echte Interaktion und Erfahrungen im Alltag ersetzt.“
Kinder lernen in den ersten Lebensjahren vor allem durch direkte Erfahrungen: durch Bewegung, Sprache und soziale Interaktion. Digitale Medien können das ergänzen, aber nicht ersetzen. Entscheidend ist daher vor allem der Kontext: Wird gemeinsam geschaut und darüber gesprochen oder ersetzt der Bildschirm echte Interaktion?

Besonders deutlich wird die Problematik bei der sozialen Dimension. Denn Mediennutzung ist eng mit Lebensrealitäten verknüpft. Familien, die unter stärkerem Druck stehen, beispielsweise durch Zeitmangel oder finanzielle Belastung, greifen häufiger auf digitale Medien zurück, um Kinder zu beschäftigen oder sich selbst zu entlasten. Das hat oft zur Konsequenz, dass Kinder Medien in solchen Kontexten mehr allein und passiv nutzen. 2 Begleitung und Einordnung fehlen.
Victoria Zanker ist Corporate Influencerin bei der Generali Deutschland und beschreibt die Auswirkungen am Beispiel von Social Media aus eigener Erfahrung: „In meinem Umfeld haben viele Mädchen, als sie jung waren, durch Social Media Essstörungen oder Selbstzweifel entwickelt – vor allem durch den ständigen Vergleich und unrealistische Schönheitsbilder, die dort vermittelt werden. Klare Altersgrenzen, frühe Aufklärung und regelmäßiges Mitgehen der Eltern halte ich daher für umso wichtiger.“
Frau Rath, in den Medien hören wir häufig: Dopamin sei schlecht. Stimmt das wirklich?
Dopamin ist von Natur aus sinnvoll und wichtig. Es ist ein Botenstoff im Gehirn, der eine zentrale Rolle für Motivation, Lernen und Belohnung spielt. Ohne Dopamin würden wir viele Dinge gar nicht tun. Häufig wird es als „Glückshormon“ bezeichnet – tatsächlich ist es aber vor allem Teil unseres Belohnungs- und Motivationssystems.
Das Problem liegt nicht im Dopamin selbst, sondern darin, wie stark und wie häufig dieses System heute stimuliert wird. In unserer digitalen Umgebung – mit Social Media, Streaming oder Gaming – wird es permanent angesprochen. Das hat Folgen: Wir gewöhnen uns an diese Reize, langweilen uns schneller und verlieren Motivation für Dinge, die weniger unmittelbar belohnend sind.
Warum braucht unser Gehirn gerade im digitalen Bereich Pausen davon?
Die meisten digitalen Systeme sind gezielt darauf ausgelegt, unser Belohnungssystem immer wieder zu aktivieren. Das Smartphone liefert uns ständig kleine Belohnungen – Nachrichten, neue Inhalte oder Likes. Unser Gehirn ist jedoch nicht dafür gemacht, dauerhaft in diesem Modus zu sein. Es braucht ein Gleichgewicht zwischen Reiz und Erholung.
Fehlen diese Pausen, sinkt die Konzentration, wir springen schneller zwischen Gedanken und empfinden weniger Zufriedenheit. Gleichzeitig gewöhnen wir uns an schnelle Belohnungen – und alles, was mehr Zeit braucht, wirkt weniger attraktiv. Fokus entsteht nicht durch mehr Reize, sondern durch weniger Ablenkung. Pausen sind deshalb kein Verzicht, sondern Voraussetzung für Konzentration und Zufriedenheit.
Was ist ein einfacher erster Schritt für einen „Dopamin Detox“ im Alltag?
Ein Dopamin Detox bedeutet nicht, auf alles zu verzichten. Es geht darum, dem eigenen System wieder mehr Gleichgewicht zu geben. Ein guter Einstieg besteht aus drei Schritten. Erstens: Bewusstsein – erkennen, welche Dinge im Alltag ständig schnelle Belohnungen liefern. Zweitens: gezielte Reduktion – etwa Bildschirmzeiten begrenzen oder Push-Nachrichten ausschalten. Drittens: Raum für natürliche Belohnungen schaffen – Bewegung, echte Gespräche oder konzentriertes Arbeiten. Diese wirken langsamer, sorgen aber langfristig für mehr Stabilität, Zufriedenheit und Fokus. Wichtig ist: Es geht nicht um Verzicht, sondern darum, wieder besser zu spüren, was uns wirklich gut tut.

Pexels.com | Helena Lopes
Digitale Medien werden das Leben weiter prägen – auch für Kinder. Entscheidend ist daher nicht, ob sie genutzt werden, sondern wie. Die alltäglichen Bilder von Kindern mit Smartphones sind Ausdruck einer Entwicklung, die sich nicht zurückdrehen lässt. Umso wichtiger ist es, sie bewusst zu gestalten. Digitale Kindheit ist damit mehr als ein Trend. Sie ist eine Weichenstellung – für Bildung, für Teilhabe und für wirtschaftliche Zukunft. Oder anders gesagt: Bildschirmzeit ist mehr als eine Frage von Minuten. Sie ist eine Frage von Chancen.
1 Quelle: Studie „Digital Skills Gap 2025“
² Quelle: Marie Meierhofer Institut für das Kind (MMI), „Bildschirmmedien in der Frühen Kindheit – Entwicklungsorientierte Empfehlungen“, 2026