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Wer erfolgreich bleiben will, muss jetzt Tempo machen

Deutsche Top-Unternehmen

Sie sind immer noch stark, aber die Luft wird dünner:

Die 500 größten deutschen Unternehmen sind mit Innovationsdruck, Wertewandel und geopolitischen Spannungen konfrontiert. Was sie verändern müssen, um zu bestehen.

Mit den Herausforderungen der Digitalisierung und des demografischen Wandels waren Deutschlands Unternehmen in den vergangenen Jahren vollauf beschäftigt. Und plötzlich kommen weitere Widrigkeiten hinzu: Krieg in der Ukraine, massive Preissteigerungen bei Energie, anziehende Inflation, knappe Rohstoffe, fragile Lieferketten. Die Liste der Unternehmensrisiken wird immer länger.

Das ist auch eine zentrale Erkenntnis der neuesten Top500-Studie von Accenture. Seit nunmehr 13 Jahren analysiert die Unternehmensberatung regelmäßig die Lage der 500 umsatzstärksten deutschen Unternehmen und leitet klare Handlungsempfehlungen ab.

Schnell und umfassend: Mehrdimensionale Transformation ist nötig

Um ihren jahrzehntelang aufgebauten Erfolg zu sichern, müssen sich Deutschlands Unternehmen an die neuen Entwicklungen anpassen. Und das nicht nur schneller als gedacht, sondern in mehr Bereichen. „Nötig ist eine beschleunigte und multidimensionale Transformation“, sagt Christina Raab, Vorsitzende der Accenture-Ländergruppe DACH und Autorin der Top500-Studie. „Das bedeutet mehr Innovation, mehr Nachhaltigkeit und ein offensiveres Talentmanagement zur Fachkräftesicherung.“ Zudem werde entscheidend sein, wie die Vorstände diesen komprimierten Wandel bewältigen. „Fest steht, dass die Transformation erhebliche Auswirkungen auf den Wettbewerb haben wird. Erfolgreiche Start-ups, dynamische Mittelständler sowie transformierte Großunternehmen werden mit innovativen Geschäftsmodellen in den Vordergrund treten. Als Folge werden Konzerne, die verharren, schrumpfen.“

Accenture hat für die aktuelle Top500-Studie die Geschäftsstrategie der erfolgreichsten deutschen Unternehmen untersucht. Hieraus ergeben sich drei Handlungsfelder, auf denen die Organisationen nun aktiv werden müssen, um mittelfristig nicht als Verlierer dazustehen: der gezielte Einsatz von Technologie als Wachstumstreiber, die Ausrichtung der Geschäftsmodelle auf Nachhaltigkeit sowie Investitionen in eine zukunftsfähige Belegschaft.

Handlungsfeld I

Mit Technologien neues Wachstum generieren

Es klingt wie ein alter Hut: Digitalisierung sichert Zukunft. Dennoch war dieses Postulat nie aktueller als jetzt, denn das Tempo im globalen Wettbewerb um die neuesten Technologien nimmt zu. Im Rahmen einer Accenture-Studie erklärten 83 Prozent der deutschen Unternehmen, dass sie derzeit mit der Geschwindigkeit des technologischen Wandels in einem nie dagewesenen Ausmaß konfrontiert sind. Zwar haben mehr und mehr der großen Player Deutschlands die Zeichen der Zeit erkannt. Doch vielfach mangelt es an Konsequenz.

Ob Künstliche Intelligenz, Big Data, Internet of Things oder Quantencomputer: „Um neue zukunftsgerichtete Geschäftsmodelle zu entwickeln, müssen die Top500 in Hard- und Software investieren, mit denen sie Daten generieren, analysieren und nutzen können“, sagt Dr. Moritz Hagenmüller, Leiter des Bereichs Strategy für die Accenture Ländergruppe DACH und Mitautor der Top500-Studie.

Hierbei werde die Cloud immer mehr zum Rückgrat des Betriebsmodells und zum Innovationstreiber. „Sie ermöglicht auch unternehmensübergreifende Aktivitäten, denn in einer zunehmend komplexeren Welt werden Unternehmen immer weniger in der Lage sein, allein den entscheidenden Technologiemix für bahnbrechende neue Produkte und Dienstleistungen bereitzustellen“, ist sich Hagenmüller sicher. Dafür braucht es laut den Studienautor:innen einen neuen Willen zur branchenübergreifenden Kooperation und ein Denken in Ökosystemen.

Handlungsfeld II

Nachhaltigkeit als Wettbewerbsfaktor nutzen

Nachhaltiges unternehmerisches Handeln wird immer wichtiger – für Kund:innen, Investor:innen und den Gesetzgeber. Der Druck auf Unternehmen steigt, ihre Geschäftsmodelle, Lieferketten und Produktionsprozesse nachhaltig auszurichten. „Die Beobachtungen von Accenture zeigen es deutlich“, sagt Christina Raab, „Nachhaltigkeit ist zum Wettbewerbsfaktor geworden“. Unternehmen, die ein Nachhaltigkeitsmanagement besonders intensiv in ihre Prozesse eingebettet haben, erwirtschaften nach aktuellen Untersuchungen durchschnittlich einen um 21 Prozent höheren Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Und aller Voraussicht nach wird sich dieser Abstand vor dem Hintergrund der aktuellen Energiediskussion in der Zukunft weiter vergrößern.

Allein: Wie man nachhaltiges Wirtschaften misst, ist vielen noch nicht klar. Fast die Hälfte der von Accenture befragten deutschen Unternehmen nannte die „Unfähigkeit, die richtigen Kennzahlen zu ermitteln und verwertbare Erkenntnisse zu gewinnen“ als größtes Hemmnis bei der Bestimmung des eigenen Nachhaltigkeitsniveaus. Hierauf müssten die Top500 einen Fokus legen, sagt Raab. „Ebenso wichtig ist es, eine Berichterstattung über die Fortschritte auf der Nachhaltigkeitsreise zu etablieren.“

Handlungsfeld III

Beim Talent-Management neue Wege gehen

Wer Zukunftschancen ergreifen will, braucht die passenden Menschen dafür. Ohne gut ausgebildete Arbeitskräfte wird die multidimensionale Transformation nicht gelingen. Doch der Mangel an Fachleuten ist immens: So ist die Anzahl der freien Stellen für IT-Expert:innen im Jahr 2021 um 12 Prozent auf 96.000 gestiegen. „Es fehlt schon heute an Personal für die Umsetzung wichtiger Zukunftsprojekte wie der Digitalisierung oder des Klimaschutzes“, erklärt Moritz Hagenmüller. „Zwei von drei Unternehmen – ob klein, mittelständisch oder Konzern – erwarten, dass sich dieser Mangel weiter verschärfen wird.“

Um das Problem zu lindern, müssen Unternehmen in Aus- beziehungsweise Weiterbildung der bestehenden Belegschaft investieren. Wo Tätigkeiten sich wandeln, benötigen Mitarbeitende andere Fähigkeiten. Kommen neue Aufgaben hinzu, müssen die Menschen dafür neu qualifiziert werden. Doch die Top500-Unternehmen sind gut beraten, auch bei der Rekrutierung von Fachkräften neue Wege zu gehen. Hybride Arbeit beispielsweise ermöglicht es, so manche Tätigkeiten von anderen Standorten aus durchführen zu lassen. Individualisierte Arbeitsmodelle und die Aussicht auf eine sinnstiftende Tätigkeit – klar formuliert im Unternehmenszweck (Purpose) – machen es vor allem den gut ausgebildeten Talenten der Generationen Y und Z schmackhaft, sich für ein Unternehmen zu entscheiden. „Von der Diversität der Belegschaft und dem Engagement der jungen Generation hängt die Zukunftsfähigkeit der Top500 ab“, betont Hagenmüller.

Alles in allem zeigt die Top500-Studie, dass die erforderliche Transformation die Unternehmen zum Umdenken zwingt: Sie können den Wandel nicht länger als notwendiges Übel betrachten, sondern müssen die darin liegenden Chancen nutzen. Das erfordert Mut, entschlossenes Handeln und neues Denken – und stimmt insgesamt optimistisch. Immerhin sind das die Eigenschaften, die die großen Konzerne Deutschlands zu denen gemacht haben, die sie heute sind.

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